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Kinderarmut vor 100 Jahren und heute
In Wespennester gestochen haben die Zeitenspringer des Geschwister Scholl Gymnasiums Sondershausen zwar nur im übertragenen Sinne, doch während ihrer Recherchen zum Thema Kinderarmut vor 100 Jahren und heute kam allerhand verborgenes zu Tage. Über 160 Quellen zogen sie bis dato zu Rate, stöberten in Aufzeichnungen der verschiedenen Wohlfahrt- und Kinderfürsorgen, sprachen, transferierten mit rüstigen, hoch intelligenten aber strengen Zeitzeugen und nahmen sogar an einer Konferenz zur Kinderarmut und Bildung teil.
Bei den Recherchen schlichen sich auch Fehler ein. So wurden teilweise die wichtigen Quellenangaben im Eifer des Gefechts vergessen und machten später eine genaue Zuordnung der Ergebnisse unmöglich. Also alles noch einmal von vorne heraussuchen, digitalisieren, ordnen und bloß nicht die Quelle vergessen. "Aus Fehlern lernt man am besten. Das vergessen sie so schnell nicht." weiß die Religionslehrerin der Schüler, Frau Christa Scholl zu berichten.
Zum Projekt und dessen Verlauf
Fest steht, das Thema Kinderarmut bestand damals wie heute, wurde und wird noch heute tabuisiert und verschwiegen. So fanden die Zeitenspringer heraus, das aufgrund der Geschichte der Region als Residenzstadt bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert kaum Industrie vorhanden war. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts waren Arbeitsplätze in Kalibergwerk und VEB Elektroinstallation geschaffen, nach der politischen Wende 1989 aber wieder abgeschafft worden.
Trotz der weiter fluktuierenden Arbeitsmarktsituation in den letzten Jahren, blieb der prozentuale Anteil der Kinderarmut dabei immer konstant hoch bei knapp unter 30%. Wie sich diese Zahlen in aktuellen Situationsbeschreibungen äußern, war für die Gruppe um Frau Christa Schol und Thomas Weinrich, Leiter der Kreisdiakoniestelle vor Ort, von den Behörden, trotz mehrmaliger Nachfragen, aber leider nicht zu erfahren. Doch auch gerade deshalb werden die Zeitenspringer weiter nachforschen.
Im Moment ordnen und analysieren sie die gesammelten Daten und Fakten, filtern, selektieren das Erfahrene und wollen in den nächsten Monaten alles aufbereiten. Dafür arbeiten sie an einer szenischen Darstellung mit biblischen Erzähl-, so genannten Eglifiguren. Diese werden sie selbst herstellen, bauen, schneidern und nähen. Das besondere an ihnen ist, das sie in ihren Posen, ganz ohne Gesicht auskommend, beeindruckende Gefühle darstelen können. Was genau in der Szene zu sehen sein wird, steht noch nicht fest, wird aber sicher in einem der folgenden Treffen beratschlagt werden.
Frau Schol, weiß wie sie Ihre Schützlinge nach Schule, Sport und Alltag motivieren kann: "Am besten in kleinen Gruppen arbeiten. Und für das leibliche Wohl muss auch gesorgt sein." Neben den Figuren soll eine Ausstellung mit Infotafeln und eine Broschüre entstehen. Es gibt also noch viel zu tun, getreu dem Motto "Tue gutes und rede darüber."




