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Ein landwirtschaftlicher Lebenslauf - Agrarwesen in Kirchheilingen
Im beschaulichen Kirchheilingen im Unstrut-Hainich Kreis gehört die Landwirtschaft seit jeher fest zum Leben, beruflich, wie privat in der Familie. Das Leben auf dem Land hat sich zwar in den letzten gut 50 Jahren nicht grundlegend geändert, die grundlegende Situation aber schon. Aus der LPG wurde die Agrargenossenschaft in Kirchheilingen und gehört noch heute zu den bedeutendsten Unternehmen im Ort.
An einem sonnigen Nachmittag im September 2008 trafen die Generationen zu einem gemütlichen Erfahrungsaustausch zusammen, um sich detailliert über vergangene Zeiten zu unterhalten. Geladen hatte das AWO Jugendwerk in die Begegnungsstätte des Orts. 15 Zeitenspringer um die engagierte Projektleiterin Josefine Meng vom AWO Kreisverband Bad Langensalza hatten bereits im Vorfeld Informationen aus Büchern, Aufzeichnungen und Befragungen zusammengetragen, um sie mit den 16 anwesenden Senioren aus dem kleinen Thüringer Ort zu validieren. Die Generationsübergreifende Zusammenführung gelang jedoch nur bedingt. Die Jugendlichen auf der einen, die Zeitzeugen auf der anderen Seite des Raumes, konnten an diesem Nachmittag aber zumindest eine Annäherung der Epochen erreichen.
Eindrücke aus den Gesprächen mit den Zeitzeugen
| Akribische Bestandsaufnahme erhitzt die Gemüter | |
| Die Bevölkerung wehrt sich gegen den Druck vom Staat | |
| Zeitzeugin Ortrud Steger im Gespräch |
Während der Polylux die akribisch recherchierten Ergebnisse und Bestandsaufnahmen der ersten Untersuchen nur widerwillig an die Wand projizierte, weil er immer wieder ausfiel, waren sich die Zeitzeugen auch nicht immer ganz einig darüber, wer wie viel Land und Vieh besaß, abzugeben hatte oder wer welchen Traktor in der Scheune stehen hatte. Zwischen und auch während der, teils lautstarken Diskussionen durften die Jugendlichen aber immer wieder Zeuge interessanter, auch trauriger Geschichten und Schwänken aus vergangener Zeit lauschen.
So erfuhren sie zum Beispiel, welchen Druck die Bauern vom Staat erdulden mussten, das sie sich aber durchaus zu wehren wussten, indem sie sich untereinander halfen. Besonders diese Zwänge und der auferlegte Inventarbeitrag erhitzte damals wie heute die Gemüter. Auch die Erfahrung, wie schwer es seien kann, Aussagen von Zeitzeugen zu validieren, die Geschichte über das geschriebene Wort hinaus zu überprüfen, dürfte den Zeitenspringern an diesem Nachmittag klar geworden sein.
Die Projektgruppe
Trotz aller Widrigkeiten war in dem Raum Geschichte spürbar und sehr lebendig. Zeitenspringer Jan Gißke führte Protokoll und sieht am Ende des Projekts eine Broschüre, die als Chronik zu verwenden ist. Zeitzeugin Ortrud Steger ist sich sicher, das der Austausch wichtig ist, da vielen jungen Menschen heutzutage nicht klar ist, unter welchen Bedingungen die vorherigen Generationen gelebt und gearbeitet haben. Sie begrüßt das Interesse der Jugendlichen und geht Unstimmigkeiten keinesfalls aus dem Weg, wenn dadurch die Schicksale der Bauern in ihrem Ort, 100%-ig der Wahrheit entsprechend, an die Nachwelt übermittelt werden können.




