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Da musst du erstmal schlucken - Jüdisches Leben in Eisenach
Beim Ferienradio vergangenes Jahr haben sich Katharina (13, 7 Klasse), Josefine (12, 7 Klasse), Alexander, Fabian (beide 14, 9 Klasse) und Daniel (13, 8 Klasse) im Wartburgradio Eisenach das erste mal getroffen und gemeinsam an einem Hörspielprojekt gearbeitet.

Das Team vlnr: Josefine, Katharina, Fabian, Alexander, Daniel
Eigentlich hatten sie vorher nie viel über jüdisches Leben in Eisenach gehört oder gewusst. Das änderte sich schnell, als sie Anfang 2010 durch das Projekt Zeitenspringer mit Dr. Reinhold Brunner vom Stadtarchiv Eisenach zusammentrafen. Er ist seit vielen Jahren historisch hoch aktiv und gab den jungen Menschen alsbald erste interessante Einblicke in die Thematik, öffnete sein wohl gepflegtes, umfangreiches Archiv und stellte vor allem kontakt zu Zeitzeugen her, die sich als Quellen von unschätzbarem Wert herausstellen sollten.
So durfte z.B. Josefine mit Avital Ben Chorin ein 1,5 stündiges Telefoninterview führen. Sie wurde 1923 in Eisenach geboren, musste ihre Heimat (im damals gleichen Alter wie Josefine) durch die bevorstehende Verfolgung durch das NS-Regime verlassen und lebt heute in Israel. Sie pflegt bis heute den Deutsch – Israelischen Dialog und gab teils erschütternde Details Ihrer Kindheit preis. "Das war schon anstrengend per Telefon so lange konzentriert zuzuhören, aber so unglaublich interessant und emotional, das ich oft mit den Tränen kämpfen musste." gibt die Zeitenspringerin Josefine tapfer zu. "Sie war damals ungefähr genau so alt wie ich. Das ist hammerhart, was sie mitmachen musste, da musst du erstmal schlucken."

im Studio Alexander und Katharina
Katharina und Alexander haben mit Christa Erhard Boy telefoniert, die ebenfalls in Eisenach groß wurde und heute in Halle lebt. "Sie musste miterleben, wie ihre damalige Mitschülerin nur weil sie Jüdin war, denunziert und später deportiert wurde. Aus Sicht des kleinen Mädchens von damals oder der älteren Dame von heute ist es nicht zu verstehen, wie das hier direkt in Eisenach passieren konnte." berichtet Alexandra. "Sie hat ihr ganzes Leben versucht ihre Freundin von damals zu finden, leider bis heute ohne Erfolg. Das darf einfach nie wieder passieren. Weder hier noch sonst irgendwo." sind sich die Zeitenspringer einig. Dafür möchten Sie einiges tun und auch versuchen die Eindrücke in die heutige Zeit bis auf ihren eigenen Schulhof zu transportieren:
"Wir arbeiten da eng mit Frau Leischner vom Bündnis gegen Rechts in Eisenach zusammen. Ihr Projekt der Stolpersteine weisst schon heute auf Orte jüdischen Lebens in Eisenach hin." erklärt Daniel. "Wir haben neben den ausführlichen Interviews auch viele Fotos gemacht oder Umfragen auf der Straße zum Thema durchgeführt und z.B. Leute gefragt: "Warum ist es wichtig, sich an die Deutsche Geschichte zu erinnern?". Diese Ergebnisse und die Interviews wollen wir jetzt in den Ferien in einer Projektwoche zu einer dreistündigen Radiosendung für das Wartburgradio Eisenach zusammenstellen. Wir arbeiten wirklich hart daran, aber es ist halt auch total interessant. Nein - langweilig war es eigentlich nie." erklärt er stolz.
Am 9. November 2010 soll die Radiosendung auf Wartburgradio Eisenach das erste mal im Gedenken an den Jahrestag der Reichskristallnacht von 1938 ausgestrahlt werden. Dies geschieht in Kooperation mit der Gedenkstätte der Synagoge Eisenach innerhalb eines Thementags zu jüdischem Leben in Eisenach.
Des weiteren arbeiten die Zeitenspringer an einer Multimedia CD-Rom, auf der, neben den Audiobeiträgen, eine interaktive Karte der Stadt Eisenach zu finden sein soll. "Wenn der Anwender auf einen Punkt der Karte klickt, erscheinen je nach Ort - Texte, Fotos oder auch Interviews die wir geführt haben. Wir möchten das auch im Internet präsentieren, da gibt es also noch viel zu tun." berichten sie eifrig. Nun müssen sie aber weiter arbeiten. Der Sendeplan steht, aber es müssen noch Moderationen geschrieben und eingesprochen werden. Und einen Wimpernschlag später sitzen auch alle schon wieder eifrig in den Radiostudios, lesen, schreiben, sprechen und springen zwischen den Zeiten...
Text & Bild: André Neumann




